Ein Forschungsprojekt mit Geschichte
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Germania Judaica blickt auf eine hundertjährige Geschichte zurück: 1903 initiierte die "Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums" die Erstellung eines alphabetischen Ortsverzeichnisses zur Geschichte der Juden in Deutschland. Das Ziel war eine Siedlungs- und Rechtsgeschichte, die zugleich die Grundlagen für eine Wirtschafts-, Sozial- und Geistesgeschichte des deutschen Judentums schaffen sollte. Neben den Herausgebern Ismar Elbogen, Aron Freimann und Haim Tykocinski wurden weitere namhafte Gelehrte wie Markus Brann, Adolf Kober und Sigmund Salfeld für die Mitarbeit gewonnen. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs, die Inflation, der Tod wichtiger Mitarbeiter und andere unglückliche Umstände führten immer wieder zu erheblichen Rückschlägen; doch konnte 1917 der erste Teilband für die Zeit bis 1238 (mit den Ortsartikeln A-L) und 1934 noch der zweite Teil (L-Z) dieses ersten Bandes veröffentlicht werden.
Zu diesem Zeitpunkt war die Weiterführung freilich bereits durch die NS-Machtübernahme fraglicher denn je geworden. Aller widrigen Umstände ungeachtet beschloss man jedoch 1936, den zweiten Band in Angriff zu nehmen. Beweggrund war für die Gesellschaft "die Erkenntnis, dass die Tage des deutschen Judentums gezählt waren, und dass es galt, in letzter Stunde die in ihm vorhandenen wissenschaftlichen Kräfte wenigstens für eine begrenzte Fortsetzung der Germania Judaica einzuspannen", wie es der spätere Herausgeber Zvi Avneri 1957 formulierte. Bei der "Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums" waren bereits an die 400 Artikel eingegangen, als die Pogrome des November 1938 die Arbeit jäh unterbrachen. Die redigierten Manuskripte des zweiten Bandes wurden vom NS-"Institut für Rassenforschung" beschlagnahmt und blieben verschollen.
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DFG
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