Zeitgleich
mit der Fortsetzung der Arbeiten an Germania Judaica IV begann 1998 das
Institut
für Geschichte der Juden in Österreich / St.
Pölten das Projekt Austria
Judaica, finanziert vom Fonds zur Förderung der
wissenschaftlichen Forschung (FWF). Das Ergebnis der Forschungsarbeiten
wird eine eigenständige Publikation zur
österreichisch-jüdischen Geschichte sein, die sich in das
Gesamtprojekt Germania Judaica IV einfügt.
Zielsetzung:
Auf der Basis einer umfassenden Quellensammlung soll die
Geschichte der
Juden in Österreich in der Frühen Neuzeit neu dargestellt
werden. Neben Fragen nach der rechtlichen Positionierung,
wirtschaftlichen Tätigkeit und sozialen Stellung der Juden
interessieren vor allem familiäre, gesellschaftliche und
religiöse Aspekte. Weitere Themen sind Aufbau und Praxis der
innerjüdischen Organisation (Gemeinde und gemeindeähnliche
Strukturen), die Rolle der Frau, Beziehungen zwischen Christen und
Juden, Siedlungsgeschichte sowie Interaktion und Kommunikation der
Gemeinden Mittel- und Ostmitteleuropas. Besonderes Augenmerk wird auch
auf die "frühen" Hofjuden Wiens und Prags gelegt. Das
Vorläuferprojekt Germania Judaica III endete mit 1519, daher
schließt Austria Judaica mit 1520 an und erforscht den Zeitraum
bis 1670, jenem Jahr, in dem die Juden aus Wien und ganz
Niederösterreich ausgewiesen wurden.
Quellen:
In den Wiener Zentralarchiven, so z.B. der Hoffinanz oder der
Niederösterreichischen Kammer im Hofkammerarchiv, liegen
zahlreiche Quellenbestände zur neuzeitlichen Geschichte der Juden
in Österreich. Das Haus-, Hof- und Staatsarchiv beherbergt
umfangreiches Material für den Zeitraum vom 1520 bis 1675 (z.B.
Resolutionsprotokolle und Akten des Reichhofrats), das außer zu
Österreich, Böhmen und Mähren auch wertvolle Inhalte zur
Geschichte der Juden im Alten Reich bietet. Die Forschung in den
Archiven der Bundesländer und Städte, in Adelsarchiven sowie
Kloster- und Stiftsarchiven verspricht - und zeigt zum Teil auch schon
- aufschlußreiche Neuentdeckungen.