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Mühen ohne Lohn?
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Internet-Seiten der Germania Judaica haben einen besonderen
Hintergrund. |
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handelt sich um ein Blatt aus dem Protokoll der Einvernahme eines
gewissen Kafmann sowie der Vertreter
der jüdischen Gemeinde zu Thannhausen (Schwaben) vor einem
jüdischen Schiedsgericht (Bet Din),
vermutlich unter dem Vorsitz des schwäbischen Landesrabbiners
Eliakim
Gottschalk ben Gedalia Rothenburg. |
Kafmann
war im Frühsommer des Jahres
1611 von Thannhausen nach Prag entsandt worden, um dort "bei der
Herrschaft" -
vermutlich bei der Ortsherrschaft, die sich gerade in Prag aufhielt -
die
Interessen der jüdischen Gemeinde zu vertreten. Unter
anderem scheint es um die Verlängerung der Schutzbriefe gegangen
zu sein. Schon vor Antritt der Reise war es zu Auseinandersetzungen um
die Entlohnung gekommen: Kafmann hatte 40 Gulden gefordert und wenig
Verständnis für den Vorschlag der Gemeinde gezeigt, er solle
sich weniger des Geldes wegen als um der jüdischen Gemeinschaft
willen auf seine Mission begeben. Da sich kein anderer Emissär
fand und die Angelegenheit drängte, musste man sich jedoch nach
viel Hin und Her auf
seine Bedingungen einlassen - die Kafmann inzwischen weiter zu seinen
Gunsten "präzisiert" hatte.
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diplomatischen Bemühungen des Kafmann war wohl kein
durchschlagender Erfolg beschieden. So sah er sich nach seiner
Rückkehr mit Forderungen der Gemeinde konfrontiert, er solle die
ihm bereits im Voraus bezahlte Summe für Lohn und Spesen
zurückerstatten und zudem für den Schaden und die besonderen
Unkosten aufkommen, die der Gemeinde durch sein Versagen entstanden
seien. Kafmann
stand freilich auf dem Standpunkt: "Hab'
die Mission auf Treu und Glauben erfüllt, und begehre meinen
Lohn darum".
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Das
Protokoll der Einvernahme des Kafmann und der Vertreter der
jüdischen Gemeinde zu Thannhausen gehört zu den recht wenigen
Quellen, die unmittelbaren Einblick in die Tätigkeit der
jüdischen Schiedsgerichte geben. Da die Aussagen der Beteiligten
wörtlich protokolliert wurden, ist dies zugleich ein wichtiges
Dokument der westjiddischen Alltagssprache der Zeit um 1600. Und
schliesslich vermittelt der Streit um die glücklose Mission des
Kafmann wichtige Einblicke in die Funktion des Schtadlan, des Fürsprechers
und Sachwalters, in der jüdischen Gemeinschaft dieser Epoche.
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Literatur:
- Rebekka
Voss, Amt, Funktion und Titel: Zur Organisationsstruktur der
jüdischen Gemeinde und ihrer Entwicklung in der Frühneuzeit,
M.A.-Thesis (Ms.), Duisburg 2001, S. 70-75.
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